Ferrari 365 GT4/2+2  
Ferrari 365 GT4 2+2, 400 und 412

Die Anfang der 70er Jahre von Sergio Pininfarina entworfene Karrosserie des Ferrari 365 GT4 2+2, die sich später im Ferrari 400 und 412 fortsetzte, gilt als ein Meisterstück des italienischen Karrossiers. Getreu seiner Devise, dass eine Form erst dann perfekt ist, wenn sich nichts mehr weglassen läßt, geriet die Kasosseriezeichnung der Modelle 365, 400 und 412 extrem schlich und in seiner zeitlosen Eleganz nahezu einmalig. Die Ferraris dieser Baureihe gehören deshalb zu den reizvollsten Gran Turismo Beförderungsmitteln überhaupt, da sie -für Ferrari ansonsten eher unüblich - zur Not auch Platz für vier Personen und Gepäck bieten können.

Unter Enthusiasten gilt der ab 1972 gebaute 365 GT4 2+2 als der wahre Klassiker der Baureihe. Während die progressieve Karosserie klar in Richtung 70er Jahre wies, entspricht der Wagen technisch eher vergleichbaren GT-Fahrzeugen der späten 60er Jahre. Dem Triebwerk mit 4,4 Liter Hubraum entlockte Ferrari seinerzeit 340 PS. Eine wahre Urgewalt italienischen Motorenbaus! Wer einmal die Ansauggeräusche der 12 Weber-Doppelvergaser live gehört hat, wird sie so schnell nicht mehr vergessen. Nur ganz wenige Konkurrenten wie Maserati Ghibli, Lamborghini 400 GT oder Iso Grifo konnten hier leistungsmäßig mithalten.

Optisch erkennbar ist der 365 GT4 2+2 an den drei kleinen (statt später zwei großen) Rückleuchten pro Heckseite, die noch vom Vorgängermodell aus den 60er Jahren übernommen wurden, sowie an den damals im Motorsport üblichen Zentralverschlüssen der ferrari-typischen Fünf-Stern Felgen. Der 365 GT4 2+2 ist eindeutig das puristischte und am wenigsten komfort-orientierte Modell der Baureihe. Mehr als seine Nachfolger läßt es noch den ursprünglichen Ferrari-Sportwagen durchscheinen. Eine wahre Kraftmaschine, die ohne Features wie ABS, ESP oder ASP der Hand eines geübten Fahrers bedarf.

Dem 365 GT4 2+2 folgte im Oktober 1976 auf der Pariser Autoausstellung der Ferrari 400, zunächst noch mit Weber-Doppelvergaser; der 400 hatte jedoch mit 4,8 Litern Hubraum einen größeren Motor. Im Herbst 1979 wurde daraus der 400i mit Bosch-Direkteinspritzung. Die beiden Autos waren im wesentlichen gleich, der Ferrari 400 verbindet jedoch die Reinheit der ursprünglichen 365er Karosserie (flacher abfallendes Heck, frei hängende Auspuffrohre) mit einem Plus an Komfort. So wurde nunmehr unter anderem eine Niveauregulierung in das Fahrzeug verbaut. Vor allem auf Drängen amerikanischer Kunden war der Ferrari 400 auch das erste in Modena produzierte Modell, das mit Automatikgetriebe ausgeliefert wurde, sofern der Kunde dies wünschte.

Mit dem 412 perfektionierte Ferrari ab 1985 die Baureihe und krönte sie zugleich. Die Karrosserie blieb weiterhin nahezu unverändert. Selbst von vielen Ferrari-Kennern unbemerkt geriet lediglich der Heckdeckel etwas höher (für besseren Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten). Zudem wurden die Stoßfänger nun in Wagenfarbe lackiert und vorn gab es weiße statt bislang gelbe Blinkerleuchten. Auch das Interieur wurde nochmals aufgewertet und leicht modifiziert. Vor allem aber technisch flossen - neben einem nochmals leicht erhöhten Hubraum von jetzt fast 5 Litern - zahlreiche Verbesserungen in das Fahrzeug ein. Der Typ 412 gilt deshalb heute als das ausgereifteste und technisch am wenigsten anfällige Fahrzeug der gesamten Baureihe. Der 412 war überdies inzwischen auch zum einzigen, noch verbliebenden Ferrari-Modell mit Frontmotor geworden. In der Produktpalette des italienischen Sportwagenbauers repräsentierte es weiterhin das Marksegment der schnellsten Grand Tourisme Coupés. Die letzte und zweifellos ausgereifteste Evolutionsstufe war zu einem überaus komfortablen und gepflegten Reisefahrzeug auf höchstem Niveau geworden, welches sich aber nach wie vor ebenso schnell und sportlich wie andere Ferraris fahren ließ. Trotz des inzwischen hohen Alters war die Baureihe durch stetige technische Anpassungen immer auf der Höhe der Zeit und wurde bezüglich Leistung nach wie vor höchsten Ansprüchen gerecht. Es ist vor allem die Symbiose aus einer äußerst eleganten Karosserie der frühen 70er Jahre mit einer Technik auf dem Stand der späten 80er Jahre, die heute den besonderen Reiz des Ferraris 412 ausmacht. U.a. war er das erste italienische Auto mit serienmäßigem ABS und auf Wunsch nun auch mit einem geregelten Katalysator erhältlich. Der Viernockenwellen-Motor glänzt auch heute noch mit einer unerreicht sensiblen Gasannahme, enormen Drehvermögen und einer Elastizität, die nach wie vor ihresgleichen sucht: Wie ein Elektromotor beschleunigt er das fast zwei Tonnen schwere Coupé im fünften Gang ohne Schwächeperioden von unter 1.000 Touren bis zum Einsetzen des Drehzahlbegrenzers bei 6.900 Touren.

Das Design der großen Coupés polarisiert allerdings innerhalb der Ferrari-Fangemeinde. Schießlich haben die Mitglieder der 400er-Familie wenig mit den kraftstrotzenden Mittelmotorboliden gemein, für die Ferrari gemeinhin bekannt ist. Der Reiz des 400ers liegt vielmehr in seinem dezenten Auftritt und dem faszinierenden Zwölfzylinder-Motor. Dieser war übrigens der letzte, der in direkter Linie von jenem V12 abstammte, den Gioacchino Colombo 1946 für Enzo Ferrari konstruierte und der bis heute Herzstück der Ferrari-Legende ist.

Denn nur rein zufällig waren Bohrung, Hub und Hubraum identisch mit der zeitgleich produzierten Stil-Ikone Ferrari Testarossa, dessen Karosserie ebenfalls aus der Hand von Pininfarina entstammte. Der große Unterschied bestand jedoch darin, dass der 412 den letzten einer großen Serie von 600-V12-Motoren besaß, dessen Grundkonstruktion noch auf die frühen 60er Jahre zurückging, während der Testarossa mit einem flachen 1800-V12-Motor ausgestattet war. Wie zuvor konnte man auch beim 412 zwischen Schaltgetriebe und Automatik wählen. Inzwischen war eine Automatik bei Oberklasse-Coupés zur bevorzugten Option geworden und das Schaltgetriebe nur noch optional lieferbar. Von den insgesamt 576 Produzierten Ferrari 412 wurden deshalb nur ca. 110 Fahrzeuge als Schalter ausgeliefert. Aus heutiger Sicht sind es die begehrteren Modelle. Die Produktion des Ferrari 412 endete erst 1989. Die Modellreihe 365/400/412 war damit mit 17 Jahren das Ferrari-Modell mit der weitaus längsten Produktionszeit.

Geschichtliche Bedeutung gelangte der Ferrari 412 vor allem dadurch, dass die letzten Fahrzeuge des bereits greisen Firmengründers Enzo Ferrari immer aus dieser Baureihe stammten. Enzo mochte keine Mittelmotor-Sportwagen, wie Ferrari sie wegen der besseren Gewichtsverteilung zunehmend baute. Das Autogenie, das seine Karriere einst als Werksrennfahrer bei Alfa Romeo begann, war noch ein Ingenieur der alten Schule. Für ihn hatte ein Motor gefälligst vorne zu sein!


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