Mercedes-Benz 300 SL  
Mercedes-Benz 300 SL Roadster, Baujahr 1987

Die SL-Baureihe 107, die 1971 als Nachfolger der sogenannten Pagoden-SL (Baureihe W113) debütierte, läutete mit den charakteristischen Breitband H4-Scheinwerfern und den großen geriffelten Rückleuchten eine neue Designlinie bei Mercedes-Benz ein, der wenig später auch die S-Klasse und die als W123 bekannt gewordene Mittelklasse-Benz (Nachfolger des so genannten „Strich-Acht“, später E-Klasse) folgte.

Nach dem Intermezzo von Paul Braq bei Mercedes, der Anfang der 60er Jahre die Linie der SL-Pagode entworfen hatte, war nun erneut Friedrich Geiger der verantwortliche Designer der R/C 107-Serie. Geiger hatte bereits für die zeitlosen Schöpfungen des Flügeltürer 300 SL von 1954 sowie des Roadsters von 1957 und auch des von der W111 Limousine abgeleiteten Coupés verantwortlich gezeichnet. Der Designer des Mercedes „Flügeltürer“ entwarf also auch seinen „Urenkel“ 300 SL, der mit neuer Motorisierung und identischer Modellbezeichnung ab Ende 1985 den Mercedes „Mythos“ wiederbelebte.

Die erste Motorengeneration im R/C107 war teilweise eine Neukonstruktion. Die V8-Motoren wurden 1969 zuvor in den großen Limousinen 300 SE präsentiert oder waren, wie der Reihensechszylinder, der ab 1974 im 280 SL verbaut wurde, Weiterentwicklungen aus dem W113.

Der erste Reihensechszylinder hatte einen Doppelnockenwellen-Zylinderkopf und leistete 185 PS. Die beiden V8-Motoren gab es ab 1971 zunächst mit 3,5 Litern Hubraum und 200 PS (interner Name M116) sowie ab 1972 auch mit 4,5 Litern Hubraum und 225 PS (M117). Über die gesamte Laufzeit des R/C 107 von 1971 bis 1989 (bis heute die längste Mercedes PKW-Baureihe überhaupt!) wurden die Motoren immer wieder den veränderten Umweltauflagen angepasst und in Leistung oder Hubraum verändert.

Ende 1985 gab es dann das größte Facelift für den R/C 107: Ein neuer Dreiliter-Reihensechszylinder (M103) mit 188 PS im 300 SL und ein von 3,8 auf 4,2 l (420 SL) aufgebohrter M116 mit 218 PS. Der 450 SL war bereits 1980 durch einen Fünfliter-V8 mit 240 PS und Aluminiumzylinderblock ersetzt worden und mutierte dadurch zum 500 SL. Die Auslieferung der Fahrzeuge erfolgte ab 1986 serienmäßig mit Katalysator was zum Beispiel die PS-Zahl beim 300 SL auf 179 PS reduzierte.

Der "Exote" der Baureihe 107, der 560 SL, war entgegen vielen Meinungen ab 1985 infolge der nun verbesserten Benzinqualität in den USA nicht mehr niedrig verdichtet. Er war mit 5547 ccm Hubraum und gemessenen 231 PS an der Hinterachse das stärkste Modell seit Produktionsbeginn der Baureihe 107 im Jahre 1971. Er besaß außerdem die kürzere Getriebeübersetzung des 420 SL und war in den USA sehr beliebt, was auch die Verkaufszahlen bewiesen. Die Topversion der Baureihe wies auch als einziges Modell, als zusätzlichen Sicherheitsstandard, einen Knieaufprallschutz sowie einen Seitenaufprallschutz mit Verstärkungen in den Türen auf. Der 560 SL (1985 bis 1989) wurde als Exportmodell für den amerikanischen, australischen und japanischen Markt konzipiert und wurde offiziell in Europa nie angeboten, nicht mal am Produktionsstandort Deutschland.

Lange vor der Audi Spaceframe Entwicklung setzte Mercedes-Benz schon auf Aluminium. Zur Gewichtsersparnis sind die großen Hauben des R107 aus Aluminium gebaut. Zudem kam ab 1985 ein kleiner Gummi-Heckspoiler – ein Novum im Hause Daimler-Benz – zum Einsatz, aber nur beim 500 SL, an dem man ihn erkennen konnte, wenn das Typenschild fehlte.

Der neue SL verkörperte auch im Bereich der passiven Sicherheit neue Maßstäbe: Béla Barényis Sicherheitskonzept mit Knautschzonen vorne und hinten und der gestaltfesten Fahrgastzelle – dem „Drei-Boxen-Prinzip“ – fand auch im 71er SL seinen Niederschlag. Das Rückgrat des R107 war nicht einfach eine verkürzte und verstärkte Limousinen-Bodengruppe wie beim Vorgänger, sondern eine eigenständige Rahmenbodenanlage mit geschlossenem Kardantunnel sowie kastenförmigen Quer- und Längsträgern, deren Besonderheit in unterschiedlichen Blechstärken lag und dem daraus resultierenden definierten Knautschverhalten.

Da der SL ein offener Wagen ohne Targabügel sein sollte, blieben als einziges Sicherheitspotential für den Roadster bei einem eventuellen Überschlag die A-Säulen samt Windschutzscheibe. Sie wurden von Grund auf neu entwickelt und erbrachten eine um 50 Prozent höhere Festigkeit als die bisher gebaute Pagoden-Version. Zudem wurde die Windschutzscheibe zur Erhöhung der Festigkeit in den Rahmen eingeklebt. Das ergab eine beachtliche Widerstandskraft beim Dachfalltest, womit der offene Wagen auch ohne Targabügel in den USA zulässig war. Die Heckscheibe im Hardtop war ebenfalls geklebt.

Selbst im Innenraum gab es richtungsweisende Neuerungen. Das Armaturenbrett war sowohl im oberen als auch im Kniebereich stoßnachgiebig und schaumgepolstert. Ebenfalls eine Neuheit: das Vierspeichenlenkrad, gebaut nach den Erkenntnissen der Unfallforscher. Geblieben war der schon bewährte Pralltopf, aber Lenkradkranz, die vier Speichen, Polsterplatte und Nabe waren mit Polyurethan umschäumt. Teleskop-Sicherheitslenksäule und das hinter der Vorderachse liegende Lenkgetriebe ergänzten die Sicherheitsmaßnahmen unter dem Blech. Die Fahrzeuge hatten serienmäßig Dreipunkt-Gurte. Die Türgriffe waren ebenfalls neu und so konstruiert, dass sie auch nach Unfällen nicht von selbst aufspringen, sich jedoch weiterhin mit Handkraft öffnen lassen.

Leicht zu bedienen, das „schnellste“ aller Cabriolets und Roadster, war das Verdeck des SL, eine genial einfache Konstruktion, die auf jeden Automatismus verzichtete. In abgeklapptem Zustand verschwindete es, wie schon bei den Vorgängern, unter einer Abdeckung. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehörte auch das im Winterbetrieb zu empfehlende 41 kg schwere Hardtop-Dach, das sich mit wenigen Handgriffen umbauen lässt und dem Roadster das Aussehen eines äußerst eleganten Coupés verleiht.

Die Sitze waren von Anfang an mit Kopfstützen und Automatik-Sicherheitsgurten lieferbar. Wer unbedingt wollte, konnte hinter den Sitzen anstelle der serienmäßigen Gepäckablage gegen Aufpreis auch eine Art „Notsitzgelegenheit“ mit Sicherheitsgurten bestellen – heute unter den Youngtimern ein sehr begehrtes Extra.

Für Wohlbefinden und Konditionssicherheit sorgte die unabhängig vom Staudruck arbeitende und über Klappen geregelte, spontan reagierende Heizung, unterstützt durch eine neuartige Klimatisierung der Türen. Ein kleiner Gag war die im Handschuhfach integrierte aufladbare Taschenlampe, die Mercedes-Benz bei den Spätversionen (ab 1985) allerdings leider einsparte. Schmutz abweisende Verkleidungen an A-Säulen und Außenspiegel lassen gute Sicht auch bei schlechtem Wetter zu. Die in Wagenmitte eng neben- bzw. übereinander angeordneten Scheibenwischer bestreichen 70 Prozent der Scheibenfläche, liegen optimal im Luftstrom und heben auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht ab.

Im Laufe der Jahre wuchs das Angebot an passiver und auch aktiver Sicherheitsausstattung weiter an. So gab es ab 1980 serienmäßig ABS und ab 1982 optional einen Airbag für den Fahrer.

Wie bei Mercedes-Benz üblich, war die Liste der Ausstattungsextras lang und konnte den Wagen erheblich verteuern. Von elektrischen Fensterhebern über die Sitzheizung bis zur Klimaanlage und das B-Netz-Autotelefon wurde alles angeboten.

Der SL der Baureihe R107 ist der letzte handgeschweiste Mercedes-Benz und der SL mit der längsten Produktionszeit überhaupt. Mit Wurzelholz, Materialien für die Ewigkeit und etlichen Metern Chrom an jeder Ecke des Fahrzeugs sah man dem Wagen an, der er noch aus dem Vollen geschnitzt war. In seiner 18-jährigen Bauzeit wurde insgesamt 237.286 Einheiten über alle Motorvarianten hinweg produziert. Allerdings gilt es zu beachten, dass davon 2/3, (nämlich genau 156.440 Einheiten) in die USA exportiert wurden.

Auf den nicht einmal vier Jahre produzierten 300 SL entfielen gerade einmal 13.443 Einheiten, die ganz überwiegend mit Automatikgetriebe ausgeliefert wurden. Im sichtbaren Bereich wurde der R 107 in seinen 18 Produktionsjahren nur unwesentlich verändert. Dadurch erreichte er schon vor Ende seiner Laufbahn den Status eines Klassikers. Der Nachfolger des R107-SL-Modells wurde die 1989 vorgestellte vierte SL-Generation mit der internen Werksbezeichnung R 129. Bei ihm waren bereits Roboter am Werk und nach Chrom suchte man an ihm vergebens.

Das hier gezeigte Modell habe ich im Dezember 2007 aus Erstbesitz (!) von einem Berliner Ärzteehepaar mit noch geringer Laufleistung erworben. Das ganz besondere an diesem Wagen ist seine Farbgebung in bisonbraun-metallic! Eine Farbe, die am R107 nur als Sonderlackierung zum Einsatz kam. In Kombination mit der vom Erstkäufer sehr geschmackvoll gewählten Lederausstattung in der Farbe „tabak“ dürfte dieses Fahrzeug wahrscheinlich einzigartig sein. Mit dieser klassischen Farbkombination der 60er Jahre hat der Wagen die „Aura einer Pagode“. Man sieht ihm förmlich an, dass er gegen Ende der Produktionszeit des R107 vom Vorbesitzer bereits als „Klassiker“ gekauft wurde.

Modellvarianten
Modell+Motorisierung Bauzeit Leistung (PS)
280 SL 1974-1985 185, ab 2/1976: 177, ab 4/1978: 185
350 SL 1971-1980 200, ab 2/1976: 195
450 SL 1971-1980 225, ab 11/1975: 217
380 SL 1980-1985 218, ab 10/1981: 204
500 SL 1980-1989 240, ab 10/1981: 231
560 SL 1985-1989 231, Netto-PS an der Hinterachse
300 SL 1985-1989 188, mit KAT: 180
420 SL 1985-1989 218, mit KAT: 204
Coupé C107 (SLC)
280 SLC 1974-1981 185, ab 2/1976 , ab 4/1978 185
350 SLC 1972-1980 200, ab 2/1976 195
450 SLC 1972-1980 225, ab 11/75 217
450 SLC 5.0 1978-1980 240
380 SLC 1980-1981 218
500 SLC 1980-1981 240


Sonderausstattungen und entsprechende Seriennummern
(* = vorhandene Sonderausstattungen an diesem Fahrzeug)

Ausstattungscode/Sonderausstattung

240 Außentemperaturanzeige
245 Reiserechner
280 Wegfall Typenkennzeichen am Heck *
440 Tempomat
442 Fahrerairbag
506 Rechter Außenspiegel elektrisch einstellbar und beheizt *
511 Stereoradio Becker Mexico Casette
532 Antenne elektrisch ausfahrbar und versenkbar *
543 Beifahrersonnenblende mit beleuchtetem Spiegel
551 Einbruch- und Diebstahlwarnanlage *
565 Fondsitze („Notsitzbank“) in Volleder *
570 Mittelarmlehne klappbar *
580 Klimaanlage *
583 Elektrische Fensterheber
590 Colourverglasung
600 Scheinwerferreinigungsanlage
873 Sitzheizung Fahrer- und Beifahrersitz *
000 Vollederausstattung *





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